Kunstbeschreibung
Sobald die Farben an einander grenzen, zeigt sich eine Prise Erotik des weiblichen Körpers in den Pinselbewegungen auf der Leinwand. Farben, die aufgrund der auffallenden Persönlichkeit und Identität, die Augen in eine kurze Stille versetzen um die verborgene Bedeutung zu erfahren. Eine Bedeutung, die mit den tiefsten und wichtigsten menschlichen Gefühlen verbunden ist. Diese Wahrnehmung und das Verstehen der implizierten Bedeutung verursacht eine kurze Pause für die Überlegung.
Die häufige Verwendung der Hauptfarben als Rohmaterialien weist auf die menschlichen Gefühlsneigungen hin, die uns alle verbindet. Dieses gemeinsame Gefühl mit Hilfe der Farben lädt den Betrachter in einer Welt voller Genuss, Schönheit und vor allem Verarbeitung der gewonnenen Eindrücke.
„Das meiste Glück kann durch tiefstes innerliches Genießen der schönen Dinge im Leben gesucht und erreicht werden“ so meinte etwa Sigmund Freud in seinem Werk „Das Unbehagen in der Kultur“. Nach diesem Prinzip ist Mehrnosh der festen Überzeugung, dass es wohl keinen Unterschied macht wo und vor allem wie diese schönen Dinge in unserem Bewusstsein erscheinen. In den einzigartigen Formen, Bewegungen der Menschen, in der Natur und Blickpunkte, oder in der Einbildung und im subjektivem menschlichen Glauben. Sie erforscht an jedem Ort und aus jedem Blickwinkel diese genannten Begriffe und überschreitet die Grenzen der Tradition, in der sie selbst aufgewachsen ist.
Die Kunstwerke von Mehrnosh mit Wurzel in Surrealismus, zeigen außer dem Genuss der Sinne, ihr gleichmäßig harmonisches Begreifen der Welt, die aus Leid, Genuss, Schönheit und Intelligenz zusammen besteht.
Freiheit der farben - farben der Freiheit:
zu den arbeiten von
Mehrnosch Talebian
Von Hans-Rainer Gerlach
Eine engagierte junge Künstlerin zeigt uns heute ihre Arbeiten. Leuchtende, intensive Farben strahlen uns entgegen und sind in ihrer Verwendung doch niemals oberflächlich, sondern bewusst eingesetzt und geprägt von persönlicher Aussage.
Mehrnosch Talebians Bilder greifen Elemente ihrer Biographie auf und erzählen in einer packenden Sprache von den Traditionen mit denen sie aufwuchs in ihrer Heimat, dem Iran, aber auch den Traditionen, denen sie im Westen begegnete; mit denen sie sich auseinandersetzte und mit denen sie ihren eigenen Umgang gefunden hat. Da sind aber auch die Themen vertreten, die jeden jungen Menschen beschäftigen, wie zum Beispiel die Freiheit und die eigene Identität und die Schmerzen des Kampfes darum, den jeder einzelne Mensch zu führen hat sowie die Suche nach dem Sinnstiftenden der Existenz.
Sie führt uns in ihren Arbeiten auf einen Weg der Kontraste. Blau, Rot, Schwarz und Gold sind zusammengeführt zu einer emotionalen Hymne an das Leben und an die Schönheit. Der weibliche Körper wird gefeiert, wie er in seiner natürlichen Nacktheit hervortritt aus dem Dunkel der Traditionen, die ihn genährt und geschützt, aber zuletzt auch eingeengt haben. Das wird hier durch den traditionellen Tschador, den Ganzkörperschleier der orthodoxen Musliminnen symbolisiert. Eine nackte Frau mit einer Taube tritt aus ihm hinaus in das Licht der Sonne und vereint sich wieder mit der blühenden Natur eines üppigen Gartens, als dessen Teil sie empfunden und gemeint ist.
Aber die Natur ist nicht nur präsent als als das strahlende Licht der Sonne, das in der ältesten Religion Persiens, dem Mithraismus, angebetet wurde, sondern auch in der mütterlichen Nacht christlicher Kirchen, von deren spiritueller Atmosphäre die Künstlerin tief beeindruckt ist. Das wie ein lebendiges Wesen im Lufthauch flackernde Kerzenlicht hat sie inspiriert, das mystische Blau der Glasfenster, das auch die klassische Farbe der Jungfrau Maria ist, oder die Farbe der Blauen Blume der Romantiker, die auf der Suche nach der Unendlichkeit waren und dem sich darin manifestierenden Ewig Weiblichen. Es ist im Farbkreis dem Grün benachbart, der Farbe des Propheten Mohammed, einer Farbe die der Inbegriff der aktiven Lebenskraft ist, aber in einer anderen Weise als das Rot des Blutes, dem folgerichtig eine eigene Leinwand gewidmet ist. Rot ist nämlich kämpferische Leidenschaft, impliziert also Leiden, das durch Verletzungen, Opfer, Kriege usw. entsteht. Das Grün hingegen ist die nicht kämpfende, sondern sich friedlich und organisch entwickelnde Lebenskraft, im Farbkreis komplementär zum Blau, der schon angesprochenen Farbe der Transzendenz und Unendlichkeit.
Mehrnosch Talebian führt uns auf einen Weg der Kontraste, ausgedrückt in der Wahl ihrer Farben und Themen, die in diesen Arbeiten eine ausdrucksstarke, harmonische Synthese eingehen. Diese erschließt sich nicht sofort. Diese Arbeiten verlangen etwas von uns: Unsere Zeit, die wir mit ihnen verbringen sollen. Aber sie schenken uns auch etwas dafür: die Gewißheit des Aufgehobenseins der Gegensätze in der höheren Einheit des Lichtes, in einem Frieden, der aus einer anderen göttlichen Sphäre kommt, ein Zustand wie er in der Schöpfung verwirklicht ist und den zu erreichen die höchste Aufgabe des menschlichen Geistes ist.